Grüner Salon 2018

Am 26. Oktober hieß es im Grünen Salon „Anleitung gegen den Krieg“. Der Referent Henrik Paulitz von der Akademie Bergstraße stellte sein neuestes Buch vor und lieferte dem interessierten Publikum Konfliktanalysen und friedenspolitische Lösungen.

Anleitung gegen den Krieg

Henrik Paulitz, Autor und Leiter der Akademie Bergstraße

Zunächst fragte der Friedensforscher Paulitz „Stimmen unsere Bilder vom Krieg?“, um dann anhand von Zeitungsberichten aufzuzeigen, dass zu selten auf das reale Kriegserlebnis geschaut wird. Zu oft stünde die Klärung der Schuldfrage im Vordergrund, statt das konkrete Geschehen in den Fokus zu rücken. Seine Empfehlung an die Anwesenden lautete daher: „Schluß mit dem Streit um gute oder böse Staaten und endlich thematisieren, was in Kriegen systematisch geschieht.“

Mittels Medienberichten legte er dar, dass häufiger zivile Infrastruktur zerstört wird – also Energieversorgung, Fabriken, Schulen, Krankenhäuser -, als militärische Anlagen.
Paulitz schlussfolgerte aufgrund seiner Analysen, dass es vor allem diese Kriegsziele sind, die militärischen Angriffen zugrunde liegen:

  • Verbrauch von Rüstungsgütern
  • Ressourcenkontrolle
  • Zerstörung wirtschaftlicher Infrastruktur
  • Wiederaufbau
  • Töten von Zivilisten
Wird Deutschland eine Kriegsmacht?

Im zweiten Teil seines Vortrages erörterte Paulitz die Fragestellung, ob Deutschland zur Kriegsmacht wird. Auch hierbei stützt sich der Autor auf belegte Aussagen, Protokolle und Reden und kommt damit zur Schlußfolgerung, dass Deutschland von außen in die Rolle gedrängt wird „mehr Verantwortung“ zu übernehmen, sich an militärischen Einsätzen „führend“ beteiligen muss, um „den eigenen Wohlstand und die eigene Sicherheit“ zu sichern. Unter anderem stützt er sich auf Aussagen von Robert Niblett, dem Direktor des britischen Think Tanks „Chatham House“.

Diese Art von Reden würden nicht nur in Richtung Deutschlands gehen, sondern weltweit die Kriegslust schüren. Laut Henrik Paulitz ist die Politik insbesondere durch folgende Dinge erpressbar:

  • Drohende Standortverlagerungen (z.B. Stahl- und Automobilproduktion)
  • Cyberattacken auf sensible Infrastruktur
  • Terroranschläge
  • Destabilisierung Europas

Letztlich kommt Paulitz zu dem Schluss, dass es der Friedensbewegung vor allem daran gelegen sein muss, der Polarisierung, Spaltung und Destabilisierung der Gesellschaft entgegenzuwirken.

„Versöhnung vor dem Krieg, statt nach dem Krieg!“

In der anschließenden Fragerunde wurden die von Paulitz geäußerten Ansichten kontrovers diskutiert. Die Mehrheit der Zuhörer zweifelte die These an, dass es vor allem ökonomische Gründe seien, Kriege zu führen. Auch der Meinung, dass sich die Deutsche Regierung nicht gegen äußere Einflüsse, militärisch aufzurüsten, wehren könne, wollte Viele nicht so akzeptieren.

Henrik Paulitz im Gespräch mit den Zuhörern

Einige äußerten sich auch resigniert, ob der Ohnmacht gegenüber der dargestellten Zustände.

Ob man dem Autor zustimmt oder nicht – er hat deutlich gemacht, dass es sich lohnt, Medienberichte nicht nur zu konsumieren, sondern sich die Zeit zu nehmen, diese zu analysieren und Fakten stärker in einen Zusammenhang zu stellen.

Einmal andere Sichtweisen und Perspektiven darzustellen und miteinander zu diskutieren, ist auch der Leitgedanke beim Grünen Salon, der auch dieses Mal wieder gemeinsam von den Leopoldshöher und Oerlinghauser Grünen veranstaltet wurde.

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