Mit Kurzsichtigkeit baden gehen!?

Die Kurzsichtigkeit politischer Entscheidungen im Oerlinghauser Rat nimmt bisweilen erschreckende Ausmaße an. Aktuelles Beispiel sind Anträge von FDP und – vor allem – CDU zur Hallenbadsanierung, die deutlich darauf abzielen, Gesetze zur Energieeinsparung zu unterlaufen. Das könnte für den Schwimmsport teuer werden.

Die Hallenbadsanierung ist sinnvoll, und es ist sinnvoll, dieses in einem Bauabschnitt zu machen. Zu beachten ist, dass damit Investitionen für 30 oder 40 Jahre getätigt werden. Darum sollte genau geprüft werden, welche Investitionen sich in diesem langen Zeitraum „rechnen“. Vor allem für Energiespar-Maßnahmen sollte man auf „Billiglösungen“ verzichten, weil sich das sonst durch jahrelange hohe Heizkosten rächen wird. Nachträgliche Ausbesserungen sind meist sehr viel teurer als gute Qualität von Anfang an. Um so unverständlicher ist es, dass FDP und CDU dafür plädieren, die neue „Energieeinsparverordnung 2009“ durch einen möglichst baldigen Baubeginn zu unterlaufen. „Das ist doch völlig unwirtschaftlich“, war die übereinstimmende Auskunft zweier Energiebüros, zu denen die GRÜNE Ratsfraktion Kontakt aufgenommen hat.

Wir gehen daher den genau entgegen gesetzten Weg: statt voreiliger Schnellschüsse wollen wir eine energetische Optimierung des Hallenbades zumindest prüfen lassen. Und siehe da: dafür kann es sogar Zuschüsse geben! Die GRÜNE Ratsfraktion fordert daher für die nächste Ratssitzung einen entsprechenden Prüfauftrag.
Aber wir wollen noch mehr: Klimaschutz ist Wirtschaftsförderung und schafft Arbeitsplätze – wenn man es richtig macht. Einzelmaßnahmen und Aktionismus reichen nicht aus. Vielmehr ist ein gut koordiniertes Gesamtkonzept notwendig. Die GRÜNE Ratsfraktion hat dazu in den letzten Monaten mehrere Maßnahmen angeregt. Das Rathaus reagierte zögerlich bis ablehnend, mit bisweilen absurden Argumenten. Andere Städte sind da kreativer; sie bringen die verschiedenen Akteure wie Handwerke, Architekten, Sparkasse, Stadtwerke und Energieberatungen „an einen Tisch“. Davon profitiert insbesondere das örtliche Handwerk: etwa drei Viertel des Gebäudebestandes sind energetisch sanierungsbedürftig. Und: Energiesparmaßnahmen schützen letztlich auch den eigenen Geldbeutel! Oerlinghausen läuft leider Gefahr, den Anschluss zu verpassen.

Womit wir wieder bei der „Kurzsichtigkeit“ wären. Dazu ein weiteres Beispiel: im Oktober beschloss der Schulausschuss, dass eine „Schulentwicklungsplanung“ erstellt wird. Diese soll auch Aussagen treffen zu den „räumlichen Konsequenzen aus der notwendigen Über-Mittag-Betreuung an den weiterführenden Schulen“. So weit, so gut. Doch ohne das Ergebnis abzuwarten – die Planung kostet immerhin 12.000,- Euro! – beschloss der gleiche Schulausschuss nur drei Wochen später, dass an den weiterführenden Schulen gleich zwei (!) Mensen errichtet werden sollen. Schade, dass hier andauernd Chancen verspielt werden.

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