Das Archäologische Freilichtmuseum – ein wichtiges Kulturgut

In der Sitzung des Ausschusses für Schule und Kultur am 23.03.2011 lautete der Beschlussvorschlag der Verwaltung in Drs.240/IX, die Mitgliedschaft im Museumsverein zu kündigen. Auch die FDP stellte den Antrag, die Mitgliedschaft zu kündigen.Wir lehnen beide Anträge ab! Hier ist die Stellungnahme unseres Ausschussmitglieds Manuela Grochowiak-Schmieding noch einmal zum nachlesen:

Nach der Ankündigung der Bürgermeisterin gegenüber dem Verwaltungschef des LVL (Landesverband Lippe) nach der Mitgliederversammlung des Museumsvereins, sie wolle auch in den nächsten Jahren die 95.000 € Zuschuss an das Museum weiter zahlen, und sie sich nicht mehr erinnern konnte, den hier vorliegenden Beschlussvorschlag unterschrieben zu haben, habe ich damit gerechnet, dass die Verwaltung diesen Beschlussvorschlag zurückziehen würde. Dem ist nicht so.

Meine Fraktion steht zum Archäologischen Freilichtmuseum, ohne Wenn und Aber, und wir sehen darin eine kulturelle Bildungseinrichtung. Herr Dr. Bernhardt hat dies eben in hervorragender Weise dargestellt. Darüber hinaus ist das Archäologische Freilichtmuseum ein wichtiger Standortfaktor. Wir lehnen den Beschlussvorschlag der Verwaltung und natürlich auch den Antrag der FDP ab.

Die Erläuterung zum Beschlussvorschlag der Verwaltung klingt ja recht freundlich. Doch der Schein trügt.
Gleich im ersten Absatz wird von einer grundsätzlichen Auseinandersetzung mit der Zukunftsperspektive des Museums gesprochen – dies impliziert die Möglichkeit der Schließung des Archäologischen Freilichtmuseums. Ansonsten hieße es doch wohl: es gab eine Auseinandersetzung darum, wie das AFM in Zukunft zu finanzieren ist.

Für die Darstellung der Bedeutung des Museums genügen wenige Sätze wie z.B.: „Es besteht kein Zweifel daran, dass das Museum erfolgreich und sparsam arbeitet.“ Oder „In der Gesamtbewertung stellt das Museum ein „Aushängeschild“ für Oerlinghausen und für die Region dar.“
Ansonsten ist die Rede von deutlich erhöhter Entnahme der Rücklage, Einnahmen die hinter den Erwartungen zurück geblieben sind, Aufzehrung der Rücklage, Fehlbeträge in der Finanzplanung 2012, finanzieller Belastung für die Träger und finanzielles Risiko für Oerlinghausen.
Mit derartiger Semantik werden die Bedeutung des Museums und die Leistungen der MitarbeiterInnen marginalisiert und relativiert. Z.B.: Mit dem Anteil der erwirtschafteten Einnahmen liegt das Museum nicht nur deutlich über dem Durchschnitt, es liegt an der Spitze!

Der Einnahmerückgang des letzten Jahres hat einen Grund, der nicht vom Museum zu verantworten ist, dies zu erläutern wird versäumt. Heute schon von Fehlbeträgen in der Finanzplanung 2012 zu sprechen, verrät, dass sich die Verfasserin nicht wirklich, zumindest nicht wohlwollend, mit den Abläufen und der Funktionalität des Betriebes auseinandergesetzt hat. Auch von Unterstützung statt Finanzierung des Zuschussbedarfs zu sprechen, verrät mangelnde Zugewandheit. Genauso wie das Museum als finanzielles Risiko zu sehen, anstatt als Gewinn für die Stadt.
Abenteuerlich ist auch die Einschätzung, dass ein Einsparpotential im Wesentlichen nur im Personalbereich läge. Fünf unterbezahlte Festangestellte, drei saisonal beschäftigte Teilzeitkräfte, die im Winter regelmäßig in die Arbeitslosigkeit geschickt werden, und ansonsten sogenannte freie Mitarbeiter, die in der Museumspädagogik arbeiten, seit gut acht Jahren keine Lohnerhöhung mehr hatten und darüber hinaus das volle Risiko tragen, bei krankheitsbedingtem Ausfall oder wenn eine Gruppe absagt. Denn in diesem Fall entfällt ganz einfach die Bezahlung. Wo bitte schön soll denn da noch gespart werden?

Zur Entwicklung einer gesicherten Perspektive den Vergleich mit der Situation des Weserrenaissance-Museum  in Lemgo zu ziehen, mutet da schon lächerlich an. Immerhin haben wir dort ein Museum mit einem Gesamtetat von 1,6 Mill. € und der Zugkraft für 16.000 BesucherInnen. Im Vergleich dazu ist der Etat des AFM mit rund 400.000 € geradezu läppisch, insbesondere vor dem Hintergrund, dass unser Museum mindestens doppelt so viele BesucherInnen willkommen heißt und darüber hinaus internationale Wertschätzung genießt.

Meine Damen und Herren, wer die Zukunft des Museums sichern will, hebt an erster Stelle die Positiva der Anlage hervor und versucht damit zu wuchern! Die Geschäftsführung und stellvertretende Vorstandsvorsitzende würde sich mit den Fachleuten beraten und auf deren Votum Wert legen! In unserem Fall verweigert Frau Herbort seit etwa zwei Jahren dem Museumsleiter einen Gesprächstermin und agiert im Großen und Ganzen ohne den Museumsleiter, auch bei Verhandlungen mit dem LVL, ja er wird nicht einmal informiert.
Willkürlich mutet da die HH-Planung an, die in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge, die Streichung des Zuschusses der Stadt an das Archäologische Freilichtmuseum vorsieht – entgegen bestehender vertraglicher Verpflichtungen.

Entsprechend stellt meine Fraktion den Antrag, den Zuschuss an das Freilichtmuseum in den nächsten Jahren fortzuschreiben. Den Antrag der Bürgermeisterin, die Mitgliedschaft im Museums-Verein zu kündigen, lehnen wir ab.
Vielmehr beantragen wir: die Verwaltung soll Verhandlungen mit dem LVL aufnehmen, mit dem Ziel der weitestgehenden Übernahme des Museums durch den LVL. Somit ist sichergestellt, dass die Zuschüsse an das Museum fließen. Damit erhält das Museum Planungssicherheit und die Anlage als solche wird gesichert. Bei gegenseitigem Einvernehmen und der Zustimmung des Fachausschusses und des Rates der Stadt Oerlinghausen besteht die Möglichkeit, bei erfolgreichen Verhandlungen, den Vertrag zwischen der Stadt Oerlinghausen und dem LVL vorzeitig aufzulösen. Eine Kündigung ist also gar nicht nötig und wir lehnen sie folgerichtig ab.

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