„Mit Mut im Bauch“……

….so lautete das Motto des Grünen Bundesparteitages am letzten Wochenende. Dort seien, so berichten manche Medien, die sog. „Realos“ gestärkt worden, Grüne bewegen sich angeblich zur bürgerlichen Mitte. Wer so argumentiert, will schwarz-grün herbeischreiben.

Als Teilnehmer des Parteitages sage ich: die Grüne Wirklichkeit sieht anders aus.

bdk15-3 Ja, der „Realo“ Cem Özdemir hat bei den Vorstandswahlen ein besseres Wahlergebnis erzielt als die „linke“ Simone Peter. Was in den meisten Medien aber verschwiegen wird: Simone Peter hatte – anders als Özdemir – mit Sonja Karas eine Gegenkandidatin, die mit einer dezidiert linken Bewerbung antrat und fast 20 Prozent der Stimmen erhielt.

Letztlich hat sich da also gar nichts in Richtung „bürgerliche Mitte“ verschoben, sondern wir Grüne haben weiterhin – sowohl beim Personal als auch bei den Inhalten – den Spannungsbogen zwischen „Grünen Idealen“ und „Realpolitik“. Und das ist gut so.

Zwei Beispiele: Wenn ein Land wie Deutschland zu den größten Waffenexporteuren auf der Welt gehört, darf sich niemand wundern, dass diese Waffen auch eingesetzt und Menschen in die Flucht gebombt werden.

Wenn auch in Deutschland dreckige Kohlekraftwerke nach wie vor mit Millionenbeträgen subventioniert werden, darf sich niemand wundern, dass sich das Weltklima weiter aufheizt.

Die lippischen Delegierten, v.l.: Moritz Wächter, Ute Koczy, Gertrud Lehmann, Thomas Reimeier

Die lippischen Delegierten, v.l.: Moritz Wächter, Ute Koczy, Gertrud Lehmann, Thomas Reimeier

In beiden Fällen gilt: Wenn Grüne einen Ausstieg aus diesem Irrsinn fordern, ist das zwar radikal – aber richtig. Daraus entsteht die politische Aufgabe, alltags- und realitätstaugliche Konzepte zu entwickeln und diese – meist gegen beharrende Interessengruppen – umzusetzen. Nicht überstürzt, aber hartnäckig Schritt-für-Schritt.

Und genau das ist für mich der Kern Grüner Politik: das Ideal von sozialer und ökologischer Gerechtigkeit immer als Leitschnur im Auge behalten, sich damit in das wirkliche Leben einmischen und die Dinge zum Guten entwickeln – hartnäckig Schritt-für-Schritt. Dieses Prinzip gilt im Übrigen auch für die „kleine Politik vor Ort“.

Das ist eine permanente Gratwanderung und macht Grüne Politik immer wieder angreifbar. Das macht Grüne Politik aber auch immer wieder erfolgreich und faszinierend.

gez. Thomas Reimeier

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren

Verwandte Artikel